DGPsLogo web

Die Interessengruppe Klinische Sexualpsychologie besteht aus Psychologinnen und Psychologen, die im Rahmen ihrer wissenschaftlichen und praktischen Tätigkeit in den Gebieten Klinische Psychologie und Psychotherapie das Thema Sexualität mit all seinen Facetten berücksichtigen. Hierzu gehören u.a. die Tehmen sexuelle Funktionsstörungen, sexuelle Orientierung, sexuelle Identität, Geschlechtsidentität, Geschlechtsrolle, Paraphilien, Sexual- sowie Paartherapie.

Sexualität ist Bestandteil des Lebens vieler Menschen und bio-psycho-sozial begründet. Ohne Sexualität hätte es in der Menschheitsgeschichte keine Fortpflanzung gegeben. Jedoch erfüllt Sexualität, neben Fortpflanzung, weitere Funktionen, wie z.B. Anerkennung, Akzeptanz, Bindung, Kommunikation. Wenn Psychologie die Wissenschaft des menschlichen Erlebens und Verhaltens ist, dann ist Gegenstand der Sexualpsychologie das menschliche sexuelle erleben und sexuelle Verhalten. Hierunter fallen sowohl pathologische Aspekte (im Sinne eines Leidensdrucks oder einer Einschränkung durch sexuelles Erleben und sexuelles Verhaltens) als auch non-pathologisches sexuelles erleben und sexuelles Verhalten. Somit decken Fragestellungen der klinischen Sexualpsychologie die Grundlagenforschung, Versorgungsforschung, sexualtherapeutische Forschung sowie die Ausbildung zukünftiger Psychotherapeut*innen ab.

Bis dato kann keine genaue Prävalenz sexueller Störungen und Probleme mit krankheitswertigen Leidensdruck angegeben werden: Schätzungen aus den USA gehen jedoch - je nach Diagnose - von einer 12%igen (Shifren et al., 2008) oder höheren (McCabe et al., 2016) Zwölfmonatsprävalenz von sexuellen Funktionsstörungen der Frau bzw. 10%igen Zwölfmonatsprävalenz von sexuellen Funktionsstörungen des Mannes (Laumann et al., 1999) aus. Selbst bei Annahme der Prävalenzuntergrenzen ist davon auszugehen, dass es sich um deutlich versorgungsrelevante Probleme handelt (Hoyer, 2013). Kontrastierend sei dem gegenübergestellt, dass in psychotherapeutischen Behandlungssettings in Deutschland sexuelle Störungen lediglich in 0.1% der Fälle als Erstdiagnose gestellt wurden (Wittmann et al., 2011 nach Hoyer, 2013). Die genauen Gründe für eine Unterdiagnostizierung sind nicht bekannt, können aber vermutet werden. Nahezu die Hälfte aller befragten Personen einer Studie hatten sexuelle Probleme erlebt, aber nur lediglich neun Prozent wurden von ihren Behandlerinnen und Behandlern auf sexuelle Probleme angesprochen (Moreira Jr. et al., 2005).

Ein ähnliches Bild zeichnet sich auf dem Gebiet der sexuellen Orientierung und der Geschlechtsidentität ab: Jüngere Forschungsarbeiten zeigten zwar, dass lesbische, schwule, bisexuelle, aber auch trans*-Patient*innen (engl.: LGBT) einen individueller gestalteten Bedarf an psychotherapeutischer Behandlung zu haben scheinen - aber aufgrund mangelnder Forschung keine verlässlichen Aussagen zur Art und Weise des Bedarfs getroffen werden können (IOM, 2011). Obwohl Empfehlungen zur Arbeit mit LGBT-Patient*innen formuliert wurden (Wolf, Fünfgeld, Oehler & Andrae, 2015), gibt es keine genauen Informationen zur Umsetzung von z.B. LGBT-affirmativer (Göth & Kohn, 2014) Interventionen.

Die Ziele der Interessengruppe sind:

  • Das Erhöhen der Sichtbarkeit des Themas Sexualität in Wissenschaft und unversitärer Lehre sowie Praxis für Psychotherapeut*innen bzw. der Ausbildung in Psychologischer/Ärztlicher Psychotherapie.
  • Die Organisation von Symposien und Treffen auf fachrelevanten Tagungen.
  • Die Durchführung bzw. Begleitung sexualpsychologischer Forschung.
  • Das Angebot einer Kommunikationsplattform für Mitglieder bezüglich aktueller Forschung und Veranstaltungen.
  • Die Sichtbarkeit innerhlab der Fachgruppe und gegenüber der Öffentlichkeit.
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen